05. April 2009

Sonntag, Sonnentag, Mädchentag, Ruhetag

 

Heute haben wir das erste Mal auf der Terrasse gefrühstückt. Ein typisches Sonntags Morgens lange, lange Frühstück und ich habe die beste Salami meines Lebens gegessen. SchüSchü ist mit einem Freund zum Basketballspielen gegangen und wir Mädels gehen los in den Spa. Maniküre, Pediküre, Augenbrauen Waxing.

Zunächst sucht man sich eine Lackfarbe aus.

Dann sitzt man auf so grossen Massagestühlen und elektronische Rollen vibrieren einem am Rücken. Asiatische Frauen machen einem zuerst die Füsse und es ist mir total peinlich, weil ich fettes Europäer Kind nicht rasiert bin an den Beinen. So ist das halt, wenn man eine Wochenendbeziehung hat und grundsätzlich in langen Jeans rumläuft. Jetzt wo die Asiatin mir auch noch die Waden massiert möchte ich eigentlich im Boden versinken. Ich kröne die Peinlichkeit in dem ich einen Lachkrampf bekomme, als sie mir die Hornhaut mit so einem Schwamm entfernt. Ja, ich weiss das sind alles Dinge von denen man garnichts wissen will, aber das hier ist mein Blog und ich beschönige nichts. Es ist wie es ist. Das Fussnägel pfeilen ist total unangenehm. Bevor es ans Lackieren geht bekommt man so lustige Papppapierflipflops an und dann gehts an den Tisch für die Hände. Das ist total angenehm. Würde es das in Deutschland für den gleichen Preis geben, würde ich da jede Woche hingehen und mich verwöhnen lassen. Es fühlt sich wirklich toll an und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nur eitel macht es. Ich starre den Rest des Tages permanent meine Nägel an und ärgere mich über jeden Placken im Lack.

Den Nachmittag verbringen wir im Central Park bei einer ausgiebigen Fotosession Mit Miss J.

 

Der New York Ausgeh-Look

Soweit ich das mit meinem Frankfurter Kleinstadthirn und Alternativ-Couchpotatoe Beobachtungsvermögen sagen kann ist der New Yorker Ausgeh-Look ungefähr so:

Lange, lange Pullis oder Baby-Dolls über Strumpfhosen oder Leggins und dazu Stiefel. Wer will kann auch so ganz schreckliche, sehr sehr hohe komsiche Schuhe dazu anziehen, die sehr dreieckig zusammenlaufen und ein bisschen was von Fetish - Schuhen haben. Ich finde sie widerlichst.

Die Finger manikürt und am besten in Knallrot, die Haare lässig mit ner Klammer hoch und kleine Handtäschlein.

Mir kommt der Look sehr gelegen, weil mich stylen kann, ohne Pumps tragen zu müssen. Biker Boots gehen genauso gut wie Pumps.

Ich glaube ein wirklicher, wahrer Vorteil von New York ist: Du kannst Deinen Stil finden, weil man dir Raum gibt ihn zu suchen. Schick ist was gefällt und anders sein, ist nicht unbedingt schlecht.

Also genau meins. Herrlich ich trage total bequeme Klamotten und sehe aus wie gestylt. Ist das nicht paradisisch.

04. April 2009

Heute war für alle Manhattan Interessenten ein eher langweiliger Tag, aber schliesslich hab ich Urlaub und bin nicht nur im Auftrag der New York Freunde unterwegs.

Es war Samstag, also haben wir alle gemeinsam gespätstückt. Schüschü hat waschechte französische Crepes in einer gusseinsernen Crepepfanne gemacht. Anschliessend haben wir erstmal die finalen Schliffe der neuen Wohnung angefangen. Alles ganz gemütlich, was mir sehr zugute kam, da ich gestern in der MET ein Paar meiner neuen Stiefel eingelaufen hatte und deshalb sehr starke Fussschmerzen hatte. Mittags sind wir dann in einen New Yorker nennen wir es Baumarkt, der für jeden Baumarkt Freund wie ich es bin wirklich eine herbe Enttäuschung war, denn in Manhattan City sind die natürlich nicht so geil, wie ausserhalb der Stadt und ganz ehrlich so ein Baumarkt ohne Leberkäsebrötchen ist doch irgendwie kein Baumarkt. Aber ich will ja nicht meckern. Zu Hause sind Baumärkte eben doch am schönsten. Während Schüschü Dinge fürs Haus gesucht hat, haben wir uns den TokiDoki Laden gegenüber angesehen. Die beiden kennen den Künstler noch aus Tokio und seiner Anfangszeit, weil er ihnen damals kein Bild verkaufen wollte, bevor er in der Künstlerszene nicht Fuss gefasst hat. So schnell kann es gehen, denn jetzt hängt er überall in New Yorker Geschäften.

Zu Mittag gab es ein paar Rollen Avocado und Cucumber Makis und ich wollte dann eigentlich in Ruhe auf der Couch liegen und lesen. Die interne Stimmung war heute eher angespannt, weshalb ich meine Ruhe wollte, naja hat nicht lange gedauert dann bin ich auf der Couch eingepennt. Der Abend hat sich dann noch ganz toll entwickelt. Nachdem Miss J mir die Haare geglättet hat und ich mich tatsächlich ordentlich gestylt habe, sehe ich aus wie die New Yorker Ladies.  Ja, ich würde sagen ich bin ein Hottie. Schade dass Mr. T mich so nicht sehen kann, aber meine Haare gehen mir jetzt bis übern Arsch sind total glatt udn glänzend und ich könnte so ehrlich gesagt Schwarzkopf Werbung machen. Wir essen in Restaurant "Mexicana Mama" das im Michelin empfohlen wird. Schüschü orientiert sich gerne am Michelin. Das Essen ist scheisse scharf und saugeil. Anschliessend gehen wir Tanzen im "Catch 22" aber das ist mir nix. Nicht dass es ein blöder Club wäre, nur ich bin kein Clubbing Mädchen. Wenn ich Tanzen gehe will ich Tanzen, wenn ich saufen will bleibe ich zu Hause. In dem Club ist es zu voll zum tanzen, zu teuer um  zu saufen und zu laut zum reden. Also entschliesse ich mich einfach nach Hause zu gehen. Ich stehe hier mit meinem Martini Rosso im Durchgang, bekomme im Takt Arme in den Rücken und klebe mit meinen Stiefeln am Boden. 

Ich denke jeder andere Mensch würde sich sehr hipp und toll vorkommen ich fühle mich eher äh falsch hier. Wobei ich sagen muss, dass die Musikauswahl durchaus klasse ist, aber wie wippt man mit den Füssen wenn sie festgetaped sind.

So jetzt ist es spät und ich mache mich fertig mit meinem Lazlo Glow Procedere.

Good Night.

Handdesinfektion

New York ist dreckig und das kann man fühlen. Nach ein paar Stunden in der Stadt habe ich das Bedürfnis mir die Hände zu waschen. Ich hab mir im Duane Read eine Lotion zum Hände desinfizieren gekauft und dabei festgestellt, dass das hier jeder macht. Jeder hat so eine Lotion in der Handtasche um sich von dem Dreck zu reinigen. Ich finde das Zeug superpraktisch, kann mich aber nicht daran erinnern, das in so rohen Mengen und in einer solchen Vielfalt in Deutschland gesehen zu haben.

03. April 2009

Das Wetter war heute den ganzen Tag beschissen und somit beste Voraussetzung für die MET. Ich habe diesmal keine Notizen in der MET gemacht, da ich mich letztes Jahr glaube ich schon ausgiebigst darüber ausgelassen habe. Die MET ist und bleibt einfach meins. Irgendwie scheint Kunstgeschichte wohl das zu sein, wofür ich mich auch ohne Wissen begeistern kann.

Trotzdem gibt es ein paar Bilder die ich hervorheben möchte dieses Jahr.

 

Carl Gustav Carus Gothic Window http://www.latribunedelart.com/Nouvelles_breves/Breves_2007/12_07/Carus_Gothic.JPG

Van Gogh "Wheat Field with Cypresses". Da wunderte ich mich erst, warum van Gogh ein Hanffeld gemacht hat, als ich den Titel im Museum einfach nur hörte bevor ich ihn las und mein zweiter gemeiner Gedankengang war, naja der ist ja Holländer.

http://www.cegur.com/VanGogh/FieldCypresses.jpg

Das ist auf jeden Fall ein Traum, aber und das ist die absolute Krönung:

http://nogoodforme.filmstills.org/joanofarc.jpg

Jules Bastien Lepages "Joan of Arc ".

Ich mag ansonsten nur sagen, schaut auch die MET an!

Ich war heute an einem Tag in Griechenland, Mesopotamien, im Amazonas, in Europa, hab mit Dalí Kaffee getrunken, mal eben ne Münze in einen Ägyptischen Tempelsee geworfen, nem Infante die Rüstung poliert und Louix Quatorze den Tisch poliert.

Wir waren wirklich den ganzen Tag dort und dieses Museum ist so sehenswert. Ich freue mich wirklich sehr, denn erstens kommt das Lebensgefühl wieder, dass ich letztes Jahr empfand, als ich durch die Gänge lief und ausserdem sitzt mir ein Mann gegenüber mit einem weissen Vollbart, der diese Audio Guides auf den Ohren hat und der schaut so unglaublich glücklich, ich glaube der hat auch das MET Gefühl.

Zum Abendessen zu Hause durfe ich mir was wünschen und habe mir natürlich Spaghetti Bolognese gewünscht. Ausserdem haben Miss Jund ich uns Martini Rosso und Martini Bianco besorgt und ordentlich getrunken.

Seit ca. 00:00 Uhr haben wir hier tosendet Sturm und ich gehe jetzt ins Bettchen. Ab heute hab ich das Bobba Gump T-Shirt und das Schaf mit Mr. T Parfum aus der "Luftdichttüte" geholt und schlafe heute Nacht in dem T-Shirt. Eigentlich wollte ich es mir für die nächste Woche aufheben, damit ich die Zeit überebrücke, aber irgendwie ist es jetzt einfach an der Zeit.

02.04.2009

Ich weiss garnicht wie ich rückblickend den Tag bewerten soll. Wir sind über den Times Square zum International Centre of Photography.

Ich bin miserabelst gelaunt. Ich würde am liebsten nicht reden, nicht sein und nicht existieren. Das Gefühl ist das, was ich schon von zu Hause kenne.  Es ist nicht so, dass man sterben will, sondern heute mag ich einfach nicht existieren. Wäre ich in meiner vertrauten Umgebung würde ich direkt nach der Arbeit in mein Zimmer verschwinden und mich ins Bett legen. Ich kenne diese  Phasen, die hab ich ab und zu, das sind unrationale Scheisserlein, die gehen auch wieder weg. Momentan denke ich eigentlich an Mr. T und an ...Mr. T. Und das obwohl ich in meiner lieblings Stadt bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein, bei bester Gesundheit alles ansehen kann was ich möchte. Gerade wenn es mir so geht wie heute sollte ich raus unter Menschen, auch wenn ich immer das Gefühl habe, der nächste der mich anspricht muss getötet werden. Meine eigene kleine Welt aus Trauer und "alles blöd" ist dann immer viel einladender. Manchmal möchte ich die menschlichen Hormone und chemischen Vorgänge im Kleinhirn einfach über die Darmzotten dorthin befördern wo sie meiner Meinung nach hingehören, die sind echt voll fürn Arsch. Wofür hab ich eine Ratio, wenn ich trotzdem am liebsten nur noch heulen möchte und heim zu Mr. T.

 

In dem International Centre of Photography ist auch noch ausgerechnet eine Ausstellung über Modefotografie, so ziemlich das depressivste was es gibt. Bisher finde ich keinen der Fotografen schön, bzw. die Fotografen sollen ja auch nicht schön sein, ich meine die Bilder. Alle Menschen sehen unnatürlich verdreht oder krank oder böse aus.

http://i19.photobucket.com/albums/b183/susie_bubble/Style%20Bubble%202/suvifebvog.jpg?t=1238731841

oder http://2.bp.blogspot.com/_RMmVgRBLSVo/SO7T6HXNQ7I/AAAAAAAADss/gRQVwXmgcZw/s400/fass_love_hate_02_h.jpg

Ganz egal wie, ich sehe eigentlich nur Verderbtheit, was mir in meiner Depression ja irgendwie jetzt nicht so hilfreich ist, aber o.k. entweder man kämpft, wenn man so eine Laune hat, oder man ist irgendwann ziemlich abhängig von seinen Launen und darauf hab ich keine Lust, also kämpfe ich gegen die unrationalen Tränen und suhle mich eben mal in der Verderbtheit der Menschheit zusammen mit dem wahnsinnigen Jürgen Teller und all den anderen Modefotografen, die zwar wissen wie man ne Kamera bedient, aber anscheinend nur Spass daran haben, die eh schon grausame Welt noch ekliger und dreckiger, verbonener schlimmer darzustellen.

 

http://www.icp.org/site/c.dnJGKJNsFqG/b.1196903/k.692/Current_Exhibitions.htm

 Ich begreife langsam, dass es bei Modefotografie auch nicht um Schönheit geht. Also wenn es bei Kunst nicht um Schönheit geht und bei der Fotografie auch nicht, wann kümmert sich eigentlich mal jemand um die schönen Dinge im Leben. Muss ich dafür Gedichte lesen, die dann keiner versteht, weil so Wörter wie "Volupté" drin vorkommen? Worte die kein Mensch benutzen würde? Ist Kunst, denn nur etwas für Insider, für Kenner, für Studierte und darf nur ein enger Kreis von Auserwählten verstehen, was der Sinn, der zweite und dritte Gedanke hinter der Kunst ist?

Die Modefotografie um 1930 ist wesentlich schöner anzusehen, hier muss man sich wenigstens nicht fragen, ob der Fotograf Drogen genommen hat. Irgendwie sehen die Frauen hier aber velroren aus oder..mh...sagen wir ... statisch. Ich glaube statisch passt besser.

Das Foto von Sylvia Sydne 1929 ist das erste Bild das mich positiv anspricht.

http://www.condenaststore.com/VanityFair/ProdImages/VanityFair/CN00023728_LARGE.JPG

Diese Bild spricht mit mir, das lebt. Diese Frau sieht mich an.

Maurice Chevalier 930 finde ich auch schön. Ich frage mich wie oft er die Zigarette erneuern musste bis dieses Foto raus kam. Er sieht offen und freundlich aus und hat ein tolles Strahlen.

Und dann kommt ganz klassisch Marlene Dietrich daher. La Dietrich eben - klassisch - sexy - toll 

Das ist ein tolles Foto: http://www.art-magazin.de/asset/Image/KUNST/Ausstellungen/Steichen/Steichen-Dietrich_ar.jpg

Meine Laune macht die arme Miss Pearl leider sehr traurig und wir kriegen uns in die Haare, dabei will ich einfach nur nicht reden und nicht aufgeheitert werden, aber wenn jemand das Gefühl nicht kennt, wie soll er dann wissen wie es ist. 

Wir gehen noch in einem Klamottenladen einkaufen und dann kaufe ich mir 2 Paar Sugar Boots. Eigentlich wollte ich mir keine Sugar Boots mehr kaufen, aber irgendwie sind es jedesmal die Modelle die mir am besten gefallen und die am ehesten meinem Portemonnaie entsprechen, weshalb ich 2 coolste Stiefel für insgesamt 60 Dollar bekomme. Sie sehen aus wie Doc Martens sind aber nur ein Drittel so teuer.

Nicht das Konsum irgendwie gegen Depression helfen würde, aber die Stiefel sind sehr "ich" und in Deutschland würde ich dafür ein Vermögen ausgeben müssen.

Im Central Park angekommen telefoniere ich mit Mr. T und fange einfach mal an zu heulen.

Jupp, ich stehe am sonnigsten Frühlingstag in New York, im Central Park, mit zwei paar neuen Stiefeln, einer Freundin und bin sogar geschminkt und heule los, als ich seine Stimme höre.

Mit mir könnte man wirklich ne schräge Comedysendung drehen. Ich bin ne Lachnummer manchmal. Das sind die Momenten in denen ich mir ordentliche "cojones" und einen Schwanz wünsche. Damit wäre sowas nicht passiert.

Lustigerweise hilft die Flennerei mir total gut und danach ist alles irgendwie besser. Es gibt ja auch nicht wirklich einen Grund mich zu bemitleiden, schliesslich geht es mir scheisse, fucking, joder lebenswert.

Am Abend lädt Miss J den Bruder einer Kindergartenfreundin zu uns ein und wir verbringen einen wirklich, wirklich absolut lustigen Abend bei einem leckeren Brathähnchen in Gemüse mit Reis und trinken Martini und lachen, reden über New York und Ober-Erlenbach (das hab ich nur geschrieben um die beiden wichtigen Orte mal in einem Satz genannt zu haben)  und die Menschen dort und hier und ich glaube wir hatten alle viel Spass. Ich hab jedenfalls Bauchweh vom vielen Lachen.

 Auch das Gefühl ist weg und ich denke morgen erwartet mich wieder das schöne New York, was ich vom letzten Jahr kenne.

Ich bin echt ein "Kauz" wie Mr. T immer zu mir sagt.

Ach verdammt, das hätte ich beinahe vergessen. Ich hatte versproche in Foto zu posten, um die Transformation zu dokumentieren, also so sehe ich momentan immer aus, wenn ich in New York rumaufe. (Da hab ich ein paar meiner neuen Stiefel schon an, naja zwei Paar wäre ja auch schwierig)


 

01.04.2009

Die NY Transformation hat begonnen. Ich schminke mich wieder jeden Tag und mache mir Frisuren. Es ist schon gruselig.

Wir nehmen die Linie 6 Uptown und ich weiss, dass es in ein Museum gehen wird. Miss Pearl geht es eigentlich nicht gut, sie hat die gleiche Magen Darm wie auch Schüschü und The Opera Man, aber sie will sich die Kunst nicht entgehen lassen. Verständlich, wer will im Urlaub schon krank sein.

Sie führt mich also heute ins MoMa. Ich hab es immer stiefmütterlich behandelt weil es, wie der Name schon sagt Moderne Kunst beherrbergt.

Mit den Securities spreche ich jetzt wieder Spanisch, da verstehen wir uns besser und siehe da es klappt. Er freut sich, dass eine Deutsche so schönes Spanisch spricht und ich freue mich, dass ich die Latinos verstehe. Spanglish war noch nie so meins.

Ich bin wirklich sehr gespannt, was man in der heutigen  Zeit so "Kunst" nennt.

Als ich  meine Schäfchendose mit den Minzbonbons heraushole werde ich ein bisschen traurig. "Ich freu mich auf Dich" steht drauf und ich hab sie von Mr. T geschenkt bekommen.

"Ich freu mich auch auf dich Schatz!!!"

 

Wir beginnen bei Malerei und Skulputren. Martin Kippenberger empfängt uns hier. Ich hoffe ihr verzeiht mir, aber der modernen Kunst gegenüber war ich schon immer sehr kritisch, wenn nicht sogar ablehnend eingestellt.

Aber gut, denken wir an den Fensterplatz im Flugzeug, an weite Horizonte und buddhistische Offenheit.

Dieser Kippenberger hat einen wundervollen alten Ford Capri mit ekliger Kackbrauner Farbe beschmiert und Dinge daran geklebt, so dass es aussieht als hätte jemand mit ner leeren Kugelschreibermine Papierkügelchen darufgespuckt. Das schöne Auto!!

Ich bin mir sicher, dass er das so gemacht hat, weil sich hier auch ein oder zwei Kugelschreiber Arragements auf Leinwand finden.

Dann hat er 80er Jahre Möbel schräg arrangiert. Unter normalen Umständen wäre das entweder Sperrmüll oder die Inneneinrichtung eines besetzten Hauses in Holland.

Im MoMa muss man mal wieder stark aufpassen, dass man sich nicht aus Versehen auf die Kunst setzt.

Dann gehe ich durch eine Installation aus Kopierpapier dass aussieht wie Birken und auf der Erde liegen geschnitze Tabletten aus Birkenholz. Aha.

Seine Bilder bzw. die Menschen darauf sehen alle irgendwie eklig aus, krank irgendwie. Ich glaube der beschäftigt sich zuviel mit der Verderbtheit der Menschen und Kettenraucher war er sicher auch. 

Nach ein paar Minuten habe ich Miss Pearl verloren.

Naja, alles wieder gut wir fahren ein Stockwerk tiefer und Gaugin und Cézanne begrüssen mich.

"The Window" von Odilon Redon finde ich wundervoll.

http://www.odilon-redon.org/Stained-Glass-Window-(Allegory)-1908-large.html

Picasso finde ich ja nie so dolle, also ziehe ich an ihm vorbei. Aber die "Lux, calme et volupté" Studie von Matisse entschädigt mich für die Opiumbilder vom exzentrischen Picasso. Gris malt genauso schräg. Die saßen bestimmt immer zusammen in der Opiumhöhle.

 

 http://www.mcs.csuhayward.edu/~malek/Matisse/matisse26.jpg

 

 Gino Severini hat einen ähnlichen Stil, aber eher lebensbejahend bunt. Das sieht gleich viel schöner aus.

Umberto Boccionis „Dynamism of a soccer player“ hat tolle Farben, dynamisch ist es auch nur der Fussballer versteckt sich irgendwie vor mir. Dafür ist sein „Street Light“ um so schöner anzusehen.

Gustav Klimbs „Park“ lädt einen wirklich ein. Ich wäre jetzt auch gern das knutschende Pärchen, dass er in der linken unteren Ecke versteckt hat.

http://androidcommunity.com/forums/members/constellanation/albums/one-photo/1420-klimt-the-park.jpg

Vor dem Monet muss man sich einfach mal hinsetzen. Das Gefühl eines endlosen Wassers ohne Horizont oder Grund hat er wundervoll hinbekommen.

Einfach davor setzen, blöde Leute ausblenden und Japaner mit Kameradauerfeuer ausblenden und im Parksee sitzen.

Kandinsky wird ignoriert und weiter gehts zum nächsten Stockwerk.

Andrew Wyeths „Christinas World“ wirkt total bedrohlich auf mich. Die arme Frau sieht aus, als wäre sie auf der Flucht vor jemandem hingefallen so kurz vor dem rettenden Haus.

http://literatehousewife.files.wordpress.com/2009/01/christinas_world_wyeth.jpg

In Wirklichkeit sollten das die durch Polio (Kinderlähmung) eingeschränkte Christine dabei darstellen wie sie glücklich das Gras mit ihren Händen befühlt. Ob ich mir bei dieser krassen Fehlinterpretation Sorgen um meine Psyche machen muss?

Anhand der Farben des Museums kann man immer erkennen in welcher Sprache man sein Gegenüber ansprechen muss. Ich bin Orange – also Deutsch.

So Gorky, Gottlieb, de Koonig finde ich alle schlimm. Pollock klatsch Farbe an die Wand und Newman kann Leinwände ganz doll rot bemalen und es Menschen als Kunst verkaufen.

Hier ist alles irgendwie duster. So wie Clyfford Stills 1944-N No.2. Wer seinem Bild nur eine Nummer gibt kann kein sehr farbenliebender Mensch sein. Clyfford Stills ist mein MoMa Emo.

Jasper Johns hat die Amerikanische Flagge auf Sperrholz gebracht, als Collage aus Zeitungspapier und sie ist total schön, weil sie so greifbar 3 dimensional ist.

Tom Wesselmanns „Stilleben“ ist total cool. http://farm3.static.flickr.com/2323/2371765759_64fc385427.jpg

Ach und da geht es weiter mit den bekannten Campells Suppen von Warhol.

Fred Sandback kann eine lila Schnur im Raum befestigen und es als Kunst verkaufen.

Und Carl Andre macht das indem er Schafott Steine stapelt. Hätte ich gewusst, dass man damit ins MoMa kommt, hätte ich das nächste Mal dabei Fotos gemacht.

Robert Morrris ist ein ganz gewitzer und wirft Teppichreste udn Wolle auf die Erde und spiegelt das ganze. Das macht wenigstens optisch mal was her. Ausserdem sieht es auf den ersten Blick weich und einladend aus, aber auf den zweiten Blick sieht man die scharfkantigen Spiegel und Drahtseile, die einen würde man sich einfach fallen lassen, den Bauch aufschlitzen. Wahrscheinlich ist er ein Kontrollfreak.

Im Nächsten Stockwerk denke ich noch:“Endlich Fotografien....aber“

Irving Penns „Hells Angels“ ist ein cooles Bild.

http://www.artnet.com/auctions/Controls/Customer/Lot/image.aspx?id=521128

Irgendwie muss ich an das letzte Abendmahl denkne, warum weiss ich nicht so genau, denn es sind nur 5 Jungs und zwei Mädels zu sehen. Die Frau ohne Sonnenbrille die sich an den Anführer lehnt erinnert mich irgendwie an Maria Magdalena.

Larry Sultans „Tasha’s 3rd film“ ist total toll.

http://images.artnet.com/artwork_images_424663993_308470_larry-sultan.jpg

Ein Pornofilm-Set, dass die Szene mal von einer anderen Seite zeigt, nämlich so wie eine normale, grosse Familie die ihren Job macht. Nur im Hintergrund sieht man das ein Pornofilm gedreht wird und nur ganz undeutlich. Der Focus liegt auf der Couch und den 3 Darstellern die sich ausruhen. Erst auf den 2ten Blick versteht man in welche Szenerie man gerade frech hereinlunzt.

Im 2ten Stock hat der Kippenberger ne ganze Halle für seinen Sperrmüll bekommen. Allerdings hat er ihn irgendwie wie ein Grossraumbüro angeordnet. Es heisst „The Happy End of Franz Kafkas Amerika“. Ja, die beiden passen gut zueinander, der Kippenberg und der Kafka. Beides so kleine Antis, Grummels, Statler und Waldorffs.

Gut, dass hier jetzt „Installation in Progress“ dran steht sonst hätte ich noch gedacht die Leiter und der Hubwagen wären Kunst.

O.k Hsieh hat isch ein Jahr in einen Holzkäfig sperren lassen und jeden Tag fotografieren lassen. Demnächst wird „Big Brother“ auch noch Kunst.

Klara Linden stapelt Umzugskisten und lässt dabei Musik spielen. Cool, da hätten wir vorgestern locker mithalten können. Meine Fresse, moderne Kunst kann so beknackt sein.

Ich weiss, es ist Kunst und das soll wohl etwas in Menschen bewegen und das hat es getan, denn ich habe scheisse Hunger, bin müde und habe 9 ¼ Seiten geschrieben.

Da es Miss Pearl nicht gut geht, bleiben wir den Rest des Tages zu Hause, was mir total Recht ist, weil ich so mit Mr. T ausgiebig telefonieren kann. Abends essen wir mit einem Freund zu Hause und lassen den Tag ausklingen.