01.04.2009

Die NY Transformation hat begonnen. Ich schminke mich wieder jeden Tag und mache mir Frisuren. Es ist schon gruselig.

Wir nehmen die Linie 6 Uptown und ich weiss, dass es in ein Museum gehen wird. Miss Pearl geht es eigentlich nicht gut, sie hat die gleiche Magen Darm wie auch Schüschü und The Opera Man, aber sie will sich die Kunst nicht entgehen lassen. Verständlich, wer will im Urlaub schon krank sein.

Sie führt mich also heute ins MoMa. Ich hab es immer stiefmütterlich behandelt weil es, wie der Name schon sagt Moderne Kunst beherrbergt.

Mit den Securities spreche ich jetzt wieder Spanisch, da verstehen wir uns besser und siehe da es klappt. Er freut sich, dass eine Deutsche so schönes Spanisch spricht und ich freue mich, dass ich die Latinos verstehe. Spanglish war noch nie so meins.

Ich bin wirklich sehr gespannt, was man in der heutigen  Zeit so "Kunst" nennt.

Als ich  meine Schäfchendose mit den Minzbonbons heraushole werde ich ein bisschen traurig. "Ich freu mich auf Dich" steht drauf und ich hab sie von Mr. T geschenkt bekommen.

"Ich freu mich auch auf dich Schatz!!!"

 

Wir beginnen bei Malerei und Skulputren. Martin Kippenberger empfängt uns hier. Ich hoffe ihr verzeiht mir, aber der modernen Kunst gegenüber war ich schon immer sehr kritisch, wenn nicht sogar ablehnend eingestellt.

Aber gut, denken wir an den Fensterplatz im Flugzeug, an weite Horizonte und buddhistische Offenheit.

Dieser Kippenberger hat einen wundervollen alten Ford Capri mit ekliger Kackbrauner Farbe beschmiert und Dinge daran geklebt, so dass es aussieht als hätte jemand mit ner leeren Kugelschreibermine Papierkügelchen darufgespuckt. Das schöne Auto!!

Ich bin mir sicher, dass er das so gemacht hat, weil sich hier auch ein oder zwei Kugelschreiber Arragements auf Leinwand finden.

Dann hat er 80er Jahre Möbel schräg arrangiert. Unter normalen Umständen wäre das entweder Sperrmüll oder die Inneneinrichtung eines besetzten Hauses in Holland.

Im MoMa muss man mal wieder stark aufpassen, dass man sich nicht aus Versehen auf die Kunst setzt.

Dann gehe ich durch eine Installation aus Kopierpapier dass aussieht wie Birken und auf der Erde liegen geschnitze Tabletten aus Birkenholz. Aha.

Seine Bilder bzw. die Menschen darauf sehen alle irgendwie eklig aus, krank irgendwie. Ich glaube der beschäftigt sich zuviel mit der Verderbtheit der Menschen und Kettenraucher war er sicher auch. 

Nach ein paar Minuten habe ich Miss Pearl verloren.

Naja, alles wieder gut wir fahren ein Stockwerk tiefer und Gaugin und Cézanne begrüssen mich.

"The Window" von Odilon Redon finde ich wundervoll.

http://www.odilon-redon.org/Stained-Glass-Window-(Allegory)-1908-large.html

Picasso finde ich ja nie so dolle, also ziehe ich an ihm vorbei. Aber die "Lux, calme et volupté" Studie von Matisse entschädigt mich für die Opiumbilder vom exzentrischen Picasso. Gris malt genauso schräg. Die saßen bestimmt immer zusammen in der Opiumhöhle.

 

 http://www.mcs.csuhayward.edu/~malek/Matisse/matisse26.jpg

 

 Gino Severini hat einen ähnlichen Stil, aber eher lebensbejahend bunt. Das sieht gleich viel schöner aus.

Umberto Boccionis „Dynamism of a soccer player“ hat tolle Farben, dynamisch ist es auch nur der Fussballer versteckt sich irgendwie vor mir. Dafür ist sein „Street Light“ um so schöner anzusehen.

Gustav Klimbs „Park“ lädt einen wirklich ein. Ich wäre jetzt auch gern das knutschende Pärchen, dass er in der linken unteren Ecke versteckt hat.

http://androidcommunity.com/forums/members/constellanation/albums/one-photo/1420-klimt-the-park.jpg

Vor dem Monet muss man sich einfach mal hinsetzen. Das Gefühl eines endlosen Wassers ohne Horizont oder Grund hat er wundervoll hinbekommen.

Einfach davor setzen, blöde Leute ausblenden und Japaner mit Kameradauerfeuer ausblenden und im Parksee sitzen.

Kandinsky wird ignoriert und weiter gehts zum nächsten Stockwerk.

Andrew Wyeths „Christinas World“ wirkt total bedrohlich auf mich. Die arme Frau sieht aus, als wäre sie auf der Flucht vor jemandem hingefallen so kurz vor dem rettenden Haus.

http://literatehousewife.files.wordpress.com/2009/01/christinas_world_wyeth.jpg

In Wirklichkeit sollten das die durch Polio (Kinderlähmung) eingeschränkte Christine dabei darstellen wie sie glücklich das Gras mit ihren Händen befühlt. Ob ich mir bei dieser krassen Fehlinterpretation Sorgen um meine Psyche machen muss?

Anhand der Farben des Museums kann man immer erkennen in welcher Sprache man sein Gegenüber ansprechen muss. Ich bin Orange – also Deutsch.

So Gorky, Gottlieb, de Koonig finde ich alle schlimm. Pollock klatsch Farbe an die Wand und Newman kann Leinwände ganz doll rot bemalen und es Menschen als Kunst verkaufen.

Hier ist alles irgendwie duster. So wie Clyfford Stills 1944-N No.2. Wer seinem Bild nur eine Nummer gibt kann kein sehr farbenliebender Mensch sein. Clyfford Stills ist mein MoMa Emo.

Jasper Johns hat die Amerikanische Flagge auf Sperrholz gebracht, als Collage aus Zeitungspapier und sie ist total schön, weil sie so greifbar 3 dimensional ist.

Tom Wesselmanns „Stilleben“ ist total cool. http://farm3.static.flickr.com/2323/2371765759_64fc385427.jpg

Ach und da geht es weiter mit den bekannten Campells Suppen von Warhol.

Fred Sandback kann eine lila Schnur im Raum befestigen und es als Kunst verkaufen.

Und Carl Andre macht das indem er Schafott Steine stapelt. Hätte ich gewusst, dass man damit ins MoMa kommt, hätte ich das nächste Mal dabei Fotos gemacht.

Robert Morrris ist ein ganz gewitzer und wirft Teppichreste udn Wolle auf die Erde und spiegelt das ganze. Das macht wenigstens optisch mal was her. Ausserdem sieht es auf den ersten Blick weich und einladend aus, aber auf den zweiten Blick sieht man die scharfkantigen Spiegel und Drahtseile, die einen würde man sich einfach fallen lassen, den Bauch aufschlitzen. Wahrscheinlich ist er ein Kontrollfreak.

Im Nächsten Stockwerk denke ich noch:“Endlich Fotografien....aber“

Irving Penns „Hells Angels“ ist ein cooles Bild.

http://www.artnet.com/auctions/Controls/Customer/Lot/image.aspx?id=521128

Irgendwie muss ich an das letzte Abendmahl denkne, warum weiss ich nicht so genau, denn es sind nur 5 Jungs und zwei Mädels zu sehen. Die Frau ohne Sonnenbrille die sich an den Anführer lehnt erinnert mich irgendwie an Maria Magdalena.

Larry Sultans „Tasha’s 3rd film“ ist total toll.

http://images.artnet.com/artwork_images_424663993_308470_larry-sultan.jpg

Ein Pornofilm-Set, dass die Szene mal von einer anderen Seite zeigt, nämlich so wie eine normale, grosse Familie die ihren Job macht. Nur im Hintergrund sieht man das ein Pornofilm gedreht wird und nur ganz undeutlich. Der Focus liegt auf der Couch und den 3 Darstellern die sich ausruhen. Erst auf den 2ten Blick versteht man in welche Szenerie man gerade frech hereinlunzt.

Im 2ten Stock hat der Kippenberger ne ganze Halle für seinen Sperrmüll bekommen. Allerdings hat er ihn irgendwie wie ein Grossraumbüro angeordnet. Es heisst „The Happy End of Franz Kafkas Amerika“. Ja, die beiden passen gut zueinander, der Kippenberg und der Kafka. Beides so kleine Antis, Grummels, Statler und Waldorffs.

Gut, dass hier jetzt „Installation in Progress“ dran steht sonst hätte ich noch gedacht die Leiter und der Hubwagen wären Kunst.

O.k Hsieh hat isch ein Jahr in einen Holzkäfig sperren lassen und jeden Tag fotografieren lassen. Demnächst wird „Big Brother“ auch noch Kunst.

Klara Linden stapelt Umzugskisten und lässt dabei Musik spielen. Cool, da hätten wir vorgestern locker mithalten können. Meine Fresse, moderne Kunst kann so beknackt sein.

Ich weiss, es ist Kunst und das soll wohl etwas in Menschen bewegen und das hat es getan, denn ich habe scheisse Hunger, bin müde und habe 9 ¼ Seiten geschrieben.

Da es Miss Pearl nicht gut geht, bleiben wir den Rest des Tages zu Hause, was mir total Recht ist, weil ich so mit Mr. T ausgiebig telefonieren kann. Abends essen wir mit einem Freund zu Hause und lassen den Tag ausklingen.

 

 

 

2.4.09 03:26

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