02.04.2009

Ich weiss garnicht wie ich rückblickend den Tag bewerten soll. Wir sind über den Times Square zum International Centre of Photography.

Ich bin miserabelst gelaunt. Ich würde am liebsten nicht reden, nicht sein und nicht existieren. Das Gefühl ist das, was ich schon von zu Hause kenne.  Es ist nicht so, dass man sterben will, sondern heute mag ich einfach nicht existieren. Wäre ich in meiner vertrauten Umgebung würde ich direkt nach der Arbeit in mein Zimmer verschwinden und mich ins Bett legen. Ich kenne diese  Phasen, die hab ich ab und zu, das sind unrationale Scheisserlein, die gehen auch wieder weg. Momentan denke ich eigentlich an Mr. T und an ...Mr. T. Und das obwohl ich in meiner lieblings Stadt bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein, bei bester Gesundheit alles ansehen kann was ich möchte. Gerade wenn es mir so geht wie heute sollte ich raus unter Menschen, auch wenn ich immer das Gefühl habe, der nächste der mich anspricht muss getötet werden. Meine eigene kleine Welt aus Trauer und "alles blöd" ist dann immer viel einladender. Manchmal möchte ich die menschlichen Hormone und chemischen Vorgänge im Kleinhirn einfach über die Darmzotten dorthin befördern wo sie meiner Meinung nach hingehören, die sind echt voll fürn Arsch. Wofür hab ich eine Ratio, wenn ich trotzdem am liebsten nur noch heulen möchte und heim zu Mr. T.

 

In dem International Centre of Photography ist auch noch ausgerechnet eine Ausstellung über Modefotografie, so ziemlich das depressivste was es gibt. Bisher finde ich keinen der Fotografen schön, bzw. die Fotografen sollen ja auch nicht schön sein, ich meine die Bilder. Alle Menschen sehen unnatürlich verdreht oder krank oder böse aus.

http://i19.photobucket.com/albums/b183/susie_bubble/Style%20Bubble%202/suvifebvog.jpg?t=1238731841

oder http://2.bp.blogspot.com/_RMmVgRBLSVo/SO7T6HXNQ7I/AAAAAAAADss/gRQVwXmgcZw/s400/fass_love_hate_02_h.jpg

Ganz egal wie, ich sehe eigentlich nur Verderbtheit, was mir in meiner Depression ja irgendwie jetzt nicht so hilfreich ist, aber o.k. entweder man kämpft, wenn man so eine Laune hat, oder man ist irgendwann ziemlich abhängig von seinen Launen und darauf hab ich keine Lust, also kämpfe ich gegen die unrationalen Tränen und suhle mich eben mal in der Verderbtheit der Menschheit zusammen mit dem wahnsinnigen Jürgen Teller und all den anderen Modefotografen, die zwar wissen wie man ne Kamera bedient, aber anscheinend nur Spass daran haben, die eh schon grausame Welt noch ekliger und dreckiger, verbonener schlimmer darzustellen.

 

http://www.icp.org/site/c.dnJGKJNsFqG/b.1196903/k.692/Current_Exhibitions.htm

 Ich begreife langsam, dass es bei Modefotografie auch nicht um Schönheit geht. Also wenn es bei Kunst nicht um Schönheit geht und bei der Fotografie auch nicht, wann kümmert sich eigentlich mal jemand um die schönen Dinge im Leben. Muss ich dafür Gedichte lesen, die dann keiner versteht, weil so Wörter wie "Volupté" drin vorkommen? Worte die kein Mensch benutzen würde? Ist Kunst, denn nur etwas für Insider, für Kenner, für Studierte und darf nur ein enger Kreis von Auserwählten verstehen, was der Sinn, der zweite und dritte Gedanke hinter der Kunst ist?

Die Modefotografie um 1930 ist wesentlich schöner anzusehen, hier muss man sich wenigstens nicht fragen, ob der Fotograf Drogen genommen hat. Irgendwie sehen die Frauen hier aber velroren aus oder..mh...sagen wir ... statisch. Ich glaube statisch passt besser.

Das Foto von Sylvia Sydne 1929 ist das erste Bild das mich positiv anspricht.

http://www.condenaststore.com/VanityFair/ProdImages/VanityFair/CN00023728_LARGE.JPG

Diese Bild spricht mit mir, das lebt. Diese Frau sieht mich an.

Maurice Chevalier 930 finde ich auch schön. Ich frage mich wie oft er die Zigarette erneuern musste bis dieses Foto raus kam. Er sieht offen und freundlich aus und hat ein tolles Strahlen.

Und dann kommt ganz klassisch Marlene Dietrich daher. La Dietrich eben - klassisch - sexy - toll 

Das ist ein tolles Foto: http://www.art-magazin.de/asset/Image/KUNST/Ausstellungen/Steichen/Steichen-Dietrich_ar.jpg

Meine Laune macht die arme Miss Pearl leider sehr traurig und wir kriegen uns in die Haare, dabei will ich einfach nur nicht reden und nicht aufgeheitert werden, aber wenn jemand das Gefühl nicht kennt, wie soll er dann wissen wie es ist. 

Wir gehen noch in einem Klamottenladen einkaufen und dann kaufe ich mir 2 Paar Sugar Boots. Eigentlich wollte ich mir keine Sugar Boots mehr kaufen, aber irgendwie sind es jedesmal die Modelle die mir am besten gefallen und die am ehesten meinem Portemonnaie entsprechen, weshalb ich 2 coolste Stiefel für insgesamt 60 Dollar bekomme. Sie sehen aus wie Doc Martens sind aber nur ein Drittel so teuer.

Nicht das Konsum irgendwie gegen Depression helfen würde, aber die Stiefel sind sehr "ich" und in Deutschland würde ich dafür ein Vermögen ausgeben müssen.

Im Central Park angekommen telefoniere ich mit Mr. T und fange einfach mal an zu heulen.

Jupp, ich stehe am sonnigsten Frühlingstag in New York, im Central Park, mit zwei paar neuen Stiefeln, einer Freundin und bin sogar geschminkt und heule los, als ich seine Stimme höre.

Mit mir könnte man wirklich ne schräge Comedysendung drehen. Ich bin ne Lachnummer manchmal. Das sind die Momenten in denen ich mir ordentliche "cojones" und einen Schwanz wünsche. Damit wäre sowas nicht passiert.

Lustigerweise hilft die Flennerei mir total gut und danach ist alles irgendwie besser. Es gibt ja auch nicht wirklich einen Grund mich zu bemitleiden, schliesslich geht es mir scheisse, fucking, joder lebenswert.

Am Abend lädt Miss J den Bruder einer Kindergartenfreundin zu uns ein und wir verbringen einen wirklich, wirklich absolut lustigen Abend bei einem leckeren Brathähnchen in Gemüse mit Reis und trinken Martini und lachen, reden über New York und Ober-Erlenbach (das hab ich nur geschrieben um die beiden wichtigen Orte mal in einem Satz genannt zu haben)  und die Menschen dort und hier und ich glaube wir hatten alle viel Spass. Ich hab jedenfalls Bauchweh vom vielen Lachen.

 Auch das Gefühl ist weg und ich denke morgen erwartet mich wieder das schöne New York, was ich vom letzten Jahr kenne.

Ich bin echt ein "Kauz" wie Mr. T immer zu mir sagt.

Ach verdammt, das hätte ich beinahe vergessen. Ich hatte versproche in Foto zu posten, um die Transformation zu dokumentieren, also so sehe ich momentan immer aus, wenn ich in New York rumaufe. (Da hab ich ein paar meiner neuen Stiefel schon an, naja zwei Paar wäre ja auch schwierig)


 

3.4.09 06:41

Letzte Einträge: Der New York Ausgeh-Look, 05. April 2009, Gerüche, 07.04.2009, 09.04.2009, Home sweetest home

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